Ausdrucksmalen im Malatelier

Ausdrucksmalen ist kein gewöhnliches Malen, sondern ein ganz und gar unorthodoxer Malunterricht mit bemerkenswerten Ergebnissen.

Worin unterscheidet sich Ausdrucksmalen von herkömmlichem Malunterricht?

Der Unterschied zu herkömmlichem Malunterricht besteht darin, dass das Ausdrucksmalen sich auf den Prozess des Malenden konzentriert, nicht auf das Produkt, das fertige, "schöne" Bild. Dies ist das Ungewöhnliche dieser Methode. Es gibt also keinen formalen Unterricht im herkömmlichen Sinn, sondern die Atelierleiterin geht individuell auf jede Malende ein, so dass jede in einem geschützten, sicheren Raum das lernen kann, was als Herz jeglicher Kreativität bezeichnet wird, nämlich die Freiheit, auf Entdeckungsreise zu sich Selbst zu gehen und das gefundene Selbst auszudrücken.

Malatelier Monika Müller

Ausdrucksmalen fördert Selbst-Vertrauen

Diese Herangehensweise des Ausdrucksmalens ist auch für die Atelierleiterin, eine Kunsthistorikerin mit mehrjährige Zusatzausbildung, eine große Herausforderung. Jede Malende wird als einzigartiges Individuum gesehen, das etwas Wesentliches auszudrücken hat. Die Aufgabe der Atelierleiterin besteht darin, Menschen zu ermöglichen sich zu öffnen und Selbst-Vertrauen zu erlernen. In unserer Kultur sind wir dermaßen produktorientiert, dass dieser Ansatz für die meisten etwas ganz Ungewohntes ist.

Dass es im Malatelier keinen formalen Malunterricht gibt, bedeutet aber nicht, dass die Malenden nichts lernen. Sie lernen im Tun, d.h. sie verlernen sich einzuschränken durch unnötige Begrenzungen, wie z.B. durch Konzepte und Vorurteile. Es erscheint immer viel schwieriger etwas zu tun, wenn man davor steht, als wenn man es dann tatsächlich tut.

Der Prozess des Ausdrucksmalens

Weiß die Malende während des Malens plötzlich nicht mehr weiter, so beginnt ein Dialog zwischen der Malenden und der Atelierleiterin. Sie hilft ihr/ihm durch Visualisieren zu erfühlen, was sie/er als nächstes malen möchte. Und sie ermutigt sie/ihn, das damit verbundene Risiko, den Schritt in unbekanntes Territorium zu wagen. Malatelier Monika Müller Die Atelierleiterin stellt der/dem Malenden Fragen, die ihr/ihm weiterhelfen sollen, die eigenen kreativen Impulse aufzuspüren. Steht man z.B. vor einem leeren Blatt Papier so könnte die Frage lauten: "Wenn Du irgend etwas malen könntest, was könnte das sein?" Die Malende antwortet dann vielleicht: "Ich möchte einen Baum malen, aber eigentlich weiß ich nicht, wie ich den malen soll." Die Atelierleiterin fragt dann weiter: "Welche Farbe hat der Baum? Wie groß ist er? Wo auf dem Papier könnte er sich befinden? Usw." Bis die Malende einen Impuls verspürt, den Pinsel zu nehmen und einfach anfängt zu malen. So erfahren die Malenden, dass der kreative Prozess ein Akt des nach Innen Lauschens ist. Das Horchen auf innere Notwendigkeiten bewirkt, dass man der persönlichen Inspiration folgen lernt.

Arno Stern und Michelle Cassou

Das Ausdrucksmalen wurde von Arno Stern 1946 in Paris "gefunden". Er ist der Entdecker der "Formulation". Sein Hauptaugenmerk gilt dem "Bedienen" der malenden Kinder und Erwachsenen. Michelle Cassou hat dieses Malen in San Francisco im Laufe von 30 Jahren weiterentwickelt. Ihr Schwerpunkt gilt der Intervention und Pädagogik des Verlernens lebensverhindernder Strukturen. Ausdrucksmalen ist auch in der Schweiz recht bekannt, und wird dort in Krankenhäusern angeboten.

Weiterlesen: → Warum Ausdrucksmalen?